Unternehmen Für Mädchen 2.0

Die Ausgangslage in Kärnten und Osttirol

Die Kärntner Beschäftigungs- und Qualifizierungsstrategie 2020+ beschäftigt sich im Punkt 6 Handlungsfeld A mit Jugendlichen am Übergang Schule und Beruf. Als besondere Herausforderung werden definiert: „Wenn junge Menschen arbeitslos werden oder erst gar nicht den Einstieg ins Berufsleben finden, hinterlässt dies eine lebenslange Narbe. Nichts tun zu können, nagt am Selbstvertrauen. Solche Menschen lernen erst spät, auf eigenen Füssen zu stehen. Und selbst wenn sie irgendwann einen Job ergattert haben, ist ihr Risiko, bald wieder auf der Straße zu landen, ein Leben lang wenig zu verdienen und später in die Altersarmut zu rutschen besonders hoch. Dieses Schicksal tragen derzeit Millionen Jugendliche von Lissabon bis Stockholm. Es ist die Tragödie Europas.“

 

Projektzeitraum: 1.1.2022 – 31.12.2023

Das Projekt UfM 4.0 baut auf den Erfahrungen der Vorprojekte auf und hat zum Ziel, den Zugang von jungen Frauen in jenen Lehrberufen, in denen der Anteil weiblicher Lehrlinge unter 30% liegt, zu verbessern.

Unternehmen für Mädchen 4.0 richtet sich in erster Linie an KMUs. Damit sollen jene Unternehmen, für die das Thema Geschlechtergerechtigkeit die größte Herausforderung ist, unterstützt werden.

Gerade der Fachkräftemangel ermöglicht Unternehmen aus traditionell männlichen Branchen, auch für junge Frauen einen attraktiven Lehrplatz anzubieten.

Unternehmen, auch in ländlichen und kleinstädtischen Regionen, nehmen zunehmend weibliche Lehrlinge auf. Ausbilder:innen stehen mit ihren Fragen, ihren Vorannahmen und mit so mancher Herausforderung alleine da.

Die Erfahrung aus den Vorprojekten Unternehmen für Mädchen hat gezeigt, dass jene Unternehmen, die vorrangig junge Männer ausbilden, vor ganz neuen Herausforderungen stehen, wenn sie sich entschließen auch junge Frauen auszubilden. Manche Ausbilder:innen betreten sogar ein Neuland in der regionalen Arbeitswelt.

Unbedachte Aussagen und Handlungen erschweren jungen Frauen den Zugang zu diesen Lehrberufen. Jugendliche reagieren sehr sensibel auf Bevorzugungen und Benachteiligungen. Schlüssige Informationen und Bewusstmachung sind auf einer individuellen Ebene erforderlich, um den Jugendlichen eine ideale Ausbildungssituation zu ermöglichen.

 Aber auch während der Lehre gibt es Herausforderungen für die Unternehmer:innen. So ist die größte Gefährdung, den Lehrplatz zu verlieren oder die Lehre vorzeitig zu beenden, derzeit bei jenen Jugendlichen, die in „untypischen“ Lehrberufen eine Berufsausbildung erlernen, zu finden.

Es zeigt sich, dass gerade junge Frauen, die sich für einen nicht-traditionellen Beruf entschieden haben, bei Schwierigkeiten mit ihrer Lehrstelle dazu neigen, entweder die Lehre abzubrechen oder nach der Lehre einen Berufswechsel vorzunehmen. Damit gehen wichtige Potenziale für die Unternehmen verloren.

Somit gehört es zu den großen Aufgaben im Unternehmen die weiblichen Lehrlinge einerseits zu gewinnen und andererseits die Fachkräfte zu halten.

EB projektmanagenent GmbH ist die Trägerin des Projektes und greift auf die Erfahrungen aus diversen Vorprojekten zurück.

Wir legen daher insbesondere Wert, den kleinen Unternehmen niederschwellig einen Zugang zu den Erkenntnissen der Gleichbehandlung näherzubringen, um ihnen dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu ermöglichen.

Es ist jedoch auch sinnvoll, Großbetriebe in die Weiterbildungen und in die Betriebs- und Vernetzungsarbeit miteinzubeziehen, da die Synergien durch unterschiedliche Erfahrungsräume vergrößert werden können.

Gemeinsam mit einem Expertinnen–Team rund um Elke Beneke wurde die Grundausbildung zum/zur gendersensiblen Lehrlingsausbilder:in entwickelt. Diese Ausbildungsreihe fand in den letzten beiden Jahren in Kärnten fünfmal statt. In regelmäßig stattgefundenen Webinaren zu je 1,5 Stunden konnten Lehrlingsausbilder:innen sich erfolgreich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Grundausbildung wird nun österreichweit ausgerollt und bis Dezember 2023 mit insgesamt acht Durchgängen angeboten.

Darauf aufbauend können weitere Angebote von den Lehrlingsausbilder:innen in Anspruch genommen werden. Mit den vier Themen Employer Branding, Führen auf Distanz, Qualitätssicherung intern und Nutzung neuer Medien, sollen Nachhaltigkeit und Digitalisierung mit der Genderkompetenz verwoben werden.

Beratungen für Betriebe

Im Rahmen des Projektes wird es 10 Betrieben in Kärnten und Osttirol kostenfrei ermöglicht, Veränderungen auf der Kultur- und Strukturebene und auf der strategischen Ebene umzusetzen, um den Mädchenanteil in der Lehre nachhaltig zu erhöhen. Unsere Expertinnen begleiten den individuellen Veränderungsprozess im Unternehmen, um sich als attraktiver Lehrbetrieb zu positionieren.

Damit die Attraktivität des Unternehmens für weibliche Lehrlinge gesteigert wird, sind einerseits die Führungskräfte in ihrer Kompetenz gefordert, andererseits steht die Qualität der Ausbildung und die Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Lehrlinge auf dem Prüfstein.

In der Beratung wird die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen begleitet, die diese Parameter berücksichtigen und die Förderung der Gleichstellung unterstützen.

Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich nicht so alarmierend ist wie in anderen Ländern Europas, ist sie sowohl in Kärnten als auch in Tirol bis 2016 wieder angestiegen, in Osttirol zeigt sich ein ähnliches Bild. Die derzeitige Konjunktur verbessert die Aussichten auf einen Lehrplatz wieder leicht. (Bundeslandprofil WKO). Die 2017 vorgemerkten arbeitssuchenden Jugendlichen in Kärnten sind in tatsächlichen Zahlen laut AMS-Bericht 2.580 Jugendliche (1.089 weibliche, und 1.491 männliche Jugendliche AMS Beschäftigungsprofil), und in Tirol verhielten sich die Zahlen der vorgemerkten Arbeitssuchenden Jugendlichen mit 2480 Arbeitssuchenden ähnlich. An den tatsächlichen Zahlen kann man jedoch ablesen, dass im Verhältnis zu Kärnten mehr weibliche Jugendliche als männliche Jugendliche eine Lehrstelle suchen (1.091 weibliche und 1390 männliche Jugendliche in tatsächlichen Zahlen). Im Vergleich zeigt sich auch noch, dass in Tirol der Rückgang an Jugendarbeitslosigkeit mit – 16,1% etwas stärker zu Buche schlug als in Kärnten mit – 15,2%. In Osttirol gab es tatsächlich nur 13 Lehrstellensuchende und denen gegenüber stehen 40 offene Lehrstellen.

 

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage wird hinsichtlich der Arbeitslosigkeit von Jugendlichen für die nächsten Jahre ein Sinken der Arbeitslosigkeit prognostiziert. (Quelle: Wirtschaftslage und Prognose WKO).

 

Jugendliche entscheiden sich heute sehr geschlechtstypisch für jeweils 5-10 Lehrberufe. Wir möchten uns im gegenständlichen Projekt auf Mädchen in männlich-konnotierten Berufen konzentrieren und damit auf die Erfahrungen von Unternehmen für Mädchen – einem Vorgängerprojekt – aufbauen.

Für junge Frauen sind die bevorzugten Ausbildungsberufe die Einzelhandelskauffrau, die Bürokauffrau und die Friseurin/Perückenmacherin. Alle weiteren Berufe werden nur mehr von einem Bruchteil der jungen Frauen gewählt. Dieses Ranking ist in den letzten Jahren nahezu unverändert geblieben. Allerdings zeigt sich, dass wenn Betriebe aktiv weibliche Lehrlinge in männlich-konnotierten Berufen ansprechen, es sehr wohl positive Beispiele gibt. So weist z. B. FLEX einen Mädchenanteil von ca. 30% auf. Auch in den KMUs sind immer wieder – auch im ländlichen Bereich – junge Frauen zu finden, die eine Lehre im technischen Bereich machen.

 

Auf der Seite der Unternehmen ist die Zahl der Lehrverhältnisse in Kärnten und Osttirol in den Jahren 2013 bis 2017 kontinuierlich gesunken. Es gilt neben der Attraktivität der Lehre auch die Attraktivität der Lehrberufe für geschlechtsuntypische Berufe zu stärken.

Dabei zeigt sich, dass die Bereitschaft sich für Mädchen in männlich-konnotierten Berufen zu öffnen in den letzten Jahren zugenommen hat. Dies ist einerseits dem Lehrlingsmangel andererseits auch einer jüngeren Nachfolgegeneration von Unternehmern/innen geschuldet. Auch sehen Unternehmen mittlerweile Diversität als Motor für unternehmerische Innovation – wo auch Gender Diversity ein Thema ist.

 

Tipps

Lehrlingsbonus – bis zu 3.000 Euro für neu aufgenommene Lehranfänger

Förderung für Lehrbetriebe

Um einem Rückgang der Lehrlingsaufnahme entgegenzuwirken, fördert der Bund jene Unternehmen mit 2.000 Euro pro Lehrling, die während der Corona-Krise Lehranfänger eingestellt haben oder bis 31. Oktober noch einstellen werden.

Alle Informationen dafür sind auch HIER zu finden.

Es war ein voller Erfolg!

Unternehmen-für-Mädchen-2.0  – Vernetzungstreffen

Im Rahmen der regionalen Bearbeitung haben die Vernetzungstreffen stattgefunden!

Für unser 1. Kärntner Ausbilder/innen – Vernetzungstreffen UfM 2.0 konnten wir das Autohaus Aichlseder gewinnen, mit dem wir ein Lehrlingsprojekt für das Onboarding von Lehrlingen für Lehrlinge starten.

Trotz hochsommerlicher Bedingungen haben die Ausbilder/innen die Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung wahrgenommen und die gemeinsame Zeit auch zum Erfahrungsaustausch genutzt.

Das Autohaus Aichlseder bildet einen weiblichen Lehrling in Karosseriebautechnik aus. Die junge Frau hat über die eigenen Erfahrungen ihrer Lehre in dieser männlichen Branche berichtet. Sie hat ihre eigene Geschichte erzählt und wie sie zu diesem Lehrberuf gekommen ist. Sie empfiehlt allen jungen Frauen: „Geht Schnuppern in den Betrieben, lernt unterschiedliche Lehrberufe kennen! Nur so könnt ihr auch beurteilen, ob es der richtige Weg sein kann! Und dann seid mutig und macht das was Euch wirklich Spaß macht!“

Unternehmen für Mädchen 2.0 konnte 23 Lehrlingsausbilder/innen die erfolgreiche Teilnahme an der gendersensiblen Lehrlingsausbildung bestätigen. Wir gratulieren den Teilnehmern und Teilnehmerinnen recht herzlich!

HIER finden Sie den Pressebericht des 1. Kärntner Ausbilder/innen – Vernetzungstreffen UfM 2.0 – ein voller Erfolg, weshalb wir die Fortsetzung im Herbst bereits in Planung haben!

Im Makerspace Carinthia hat der 1. Kärntner Lehrlingstreff Mädchen für Mädchen 2.0 stattgefunden. 10 weibliche Lehrlinge aus ganz Kärnten sind unserer Einladung gefolgt und haben die Gelegenheit genutzt einerseits den innovativen Raum des Makerspace und andererseits andere junge Frauen aus technischen Berufen kennenzulernen.

Die weiblichen Lehrlinge nahmen an einem Kennenlernen und einem Erfahrungsaustausch teil und konnten feststellen, dass die einzelnen weiblichen Lehrlinge im privaten Bereich überwiegend von Freundinnen in den typischen Mädchenberufen umgeben sind. Das bedeutet in gewisser Weise sowohl beruflich als auch privat etwas „Besonderes“ zu sein. Auf beiden Seiten gibt es nicht das volle Verständnis für die Situation. Gemeinsam mit den anderen weiblichen Lehrlingen des 1. Kärntner Lehrlingstreffs konnte jedoch sehr viel Gemeinsames aufgebaut werden, sehr viel Verständnis und Anerkennung den Kolleginnen nähergebracht werden. In dieser Gruppe erfolgte unverzüglich eine adäquate digitale Vernetzung, um sich künftig auch auf kurzem Weg zu verabreden bzw. austauschen zu können.

Der krönende Abschluss war die 3-Rad-Probefahrt!

HIER finden Sie den Pressebericht des 1. Kärntner Lehrlings-Treff  Mädchen für Mädchen 2.0 – ein voller Erfolg, weshalb wir die Fortsetzung im Herbst bereits in Planung haben!

Die Berichte der zweiten Runde sind HIER zu finden.

Es ist geschafft!

Unternehmen-für-Mädchen-2.0  DIGITAL

Wir sind mit unserer ersten Weiterbildung für Lehrlingsausbilder/innen in den Regionen Spittal/Drau, Villach, Klagenfurt, Wolfsberg und auch in Osttirol fertig!

Unternehmen für Mädchen 2.0 konnte 23 Lehrlingsausbilder/innen die erfolgreiche Teilnahme an der gendersensiblen Lehrlingsausbildung bestätigen. Wir gratulieren den Teilnehmern und Teilnehmerinnen recht herzlich!

An NEUEN Terminen für die Weiterbildung für Lehrlingsausbilder/innen wird gearbeitet – sobald diese feststehen sind sie hier  zu finden!

Corona-Virus

Die Maßnahmen der Bundesregierung sind auch für uns bindend. Wir haben die Weiterbildungen umgestellt und bieten nun eine hybride Lösung mit Online- und Präsenzveranstaltungen an.

Unser Thema bleibt die gendersensible Lehrlingsausbildung.

Schreiben Sie uns ein eMail, wenn Sie informiert werden möchten: v.bottaro@eb-projektmanagement.at.

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